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Die AfD hat einen Nerv getroffen – und genau das sollte man ernst nehmen

Erstellt von Soares

Politik

Wahlen

Man muss die AfD nicht mögen, um eines anerkennen zu können: Diese Wahl lässt sich nicht einfach wegdiskutieren. Nach den aktuellen Hochrechnungen liegt die AfD in Mecklenburg-Vorpommern mit rund 37,7 Prozent vor der SPD mit 35,5 Prozent. Damit hätte die AfD ihr Ergebnis von 2021 mehr als verdoppelt. Die SPD wiederum wäre erstmals seit 28 Jahren nicht mehr stärkste Partei.

Mecklenburg-Vorpommern hat gewählt. Und plötzlich ist die AfD nicht mehr das Problem, über das man bequem reden kann – sie ist das Ergebnis, über das man reden MUSS.

Die aktuelle Hochrechnung sieht die AfD bei rund 37 Prozent, knapp vor der SPD mit etwa 35,5 Prozent. Für die AfD ist das das bislang beste Ergebnis bei einer Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern und mehr als eine Verdoppelung gegenüber 2021. Und jetzt kommt der Teil, den manche Politiker vermutlich am liebsten überspringen würden:

Vielleicht sind nicht 37 Prozent der Menschen plötzlich „rechtsradikal“ geworden. Vielleicht haben 37 Prozent einfach die Nase voll.

Von steigenden Kosten. Von Bürokratie. Von politischen Versprechen, die sich im Alltag nicht immer wiederfinden. Von einer Migrationspolitik, über die man diskutieren soll, aber bei der Kritik schnell in eine Ecke gestellt wird. Und von einer politischen Kultur, in der manche lieber über die AfD reden, als sich zu fragen, warum so viele Menschen überhaupt AfD wählen. Das ist unbequem. Aber Demokratie ist kein Wunschkonzert.

Ja, man darf der AfD auch einmal etwas zugutehalten

Die AfD hat verstanden, wie man politische Unzufriedenheit in Stimmen verwandelt. Sie spricht Themen an, die viele Menschen beschäftigen: Migration, Sicherheit, Wirtschaft, Energie, Bürokratie und Entlastung. Ihr MV-Wahlprogramm setzt genau dort Schwerpunkte. Und genau deshalb kann man den politischen Erfolg nicht einfach mit dem Satz „Die AfD ist böse“ erklären. Das wäre ungefähr so intelligent wie ein Rauchmelder, der Feuer entdeckt und anschließend beschimpft wird, weil er Alarm macht. Der Alarm ist nicht das Feuer. Man kann die Antworten der AfD kritisieren. Man kann einzelne Forderungen für falsch oder unrealistisch halten. Aber die Fragen verschwinden nicht dadurch.

Die anderen Parteien sollten sich etwas eingestehen

Wenn eine Partei innerhalb von fünf Jahren ihr Wahlergebnis mehr als verdoppelt, dann ist es zu billig, ausschließlich auf die Wähler dieser Partei zu zeigen.

Vielleicht sollte man einmal fragen:

Was haben wir ihnen eigentlich angeboten?

Und vor allem:

Warum haben sie uns nicht geglaubt?

Die CDU erlebt in MV gleichzeitig einen massiven Absturz und liegt laut aktueller Prognose nur knapp über der Fünf-Prozent-Marke. Das ist kein kleines Warnsignal. Das ist ein politischer Weckruf mit Presslufthammer.

Aber jetzt kommt die unbequeme Wahrheit für die AfD selbst

37 Prozent sind kein Freifahrtschein. Wer so viele Stimmen bekommt, muss auch liefern. Dann reicht es nicht mehr, nur gegen die anderen zu sein. Dann muss man erklären, wie die eigenen Versprechen umgesetzt werden sollen. Was kostet es? Was ist rechtlich möglich? Was passiert mit Wirtschaft und Arbeitsplätzen? Wie funktioniert Migration konkret? Wie wird innere Sicherheit verbessert? Und was passiert, wenn die eigenen Lösungen in der Realität auf Widerstand stoßen? Auch das gehört zur Demokratie. Wer den großen Anspruch erhebt, muss sich an großen Maßstäben messen lassen.

Und genau deshalb ist dieses Wahlergebnis wichtig

Nicht, weil die AfD automatisch recht hat. Sondern weil ihre Stärke zeigt, dass man ihre Wähler nicht mehr ignorieren kann. Man kann sie beschimpfen. Man kann sie aus Talkshows verbannen. Man kann eine „Brandmauer“ errichten. Man kann jeden Tag vor der AfD warnen. Aber man kann nicht 37 Prozent der Wähler wegdiskutieren. Diese Menschen sind Teil unserer Gesellschaft. Sie zahlen Steuern. Sie arbeiten. Sie haben Familien. Sie haben Sorgen. Und sie haben – wie jeder andere Bürger auch – das Recht, ihre politische Entscheidung zu treffen.

Vielleicht ist das die eigentliche Botschaft aus MV

Die AfD hat heute nicht nur Stimmen bekommen. Sie hat den etablierten Parteien eine Rechnung präsentiert. Und die Rechnung lautet:

„Hört uns endlich zu.“

Ob die AfD die richtigen Antworten hat, muss jetzt an ihren konkreten Vorschlägen und ihrer politischen Arbeit gemessen werden.

Aber eines sollte nach dieser Wahl eigentlich niemand mehr behaupten:

Dass man die AfD einfach ignorieren kann. Das funktioniert offensichtlich nicht. Und vielleicht wäre es an der Zeit, weniger über die Wähler zu reden – und endlich wieder mit ihnen. Denn Demokratie bedeutet nicht, dass uns jedes Wahlergebnis gefällt. Demokratie bedeutet, dass wir auch dann zuhören, wenn uns die Antwort nicht gefällt.

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