Herzlich willkommen in Deutschland – dem Land, in dem man dir immer öfter erklärt, worauf du verzichten sollst, nachdem man dir vorher erklärt hat, warum alles teurer werden muss.
Heute ist es das Auto. Morgen vielleicht die Heizung. Übermorgen der nächste „notwendige“ Verzicht. Und an der Tankstelle darf der Bürger dann wieder lernen, dass Freiheit offenbar eine Frage des Kontostandes geworden ist. Man fährt zur Tankstelle, schaut auf den Preis und denkt: „Das kann doch nicht mehr normal sein.“ Doch. Es ist inzwischen normal. Und genau das ist das Gefährliche daran.
Der Trick mit dem „Du musst dein Verhalten ändern“
Wenn der Sprit teuer wird, lautet die Botschaft schnell: „Dann fahr halt weniger.“ Wenn das Heizen teuer wird: „Dann verbrauch halt weniger.“ Wenn Lebensmittel teurer werden: „Dann kauf bewusster ein.“ Und wenn das Geld am Monatsende nicht mehr reicht?
Dann hast du vermutlich einfach noch nicht nachhaltig genug gelebt.
Was für eine praktische Logik. Die Preise steigen – aber irgendwie ist am Ende immer der Bürger selbst schuld.
Nur blöd, wenn man arbeiten muss
Es gibt da allerdings ein kleines Problem. Millionen Menschen können nicht einfach auf ihr Auto verzichten. Der Schichtarbeiter kann nicht sagen: „Kein Problem, mein Bus fährt nachts leider nicht. Dann komme ich morgen einfach nicht zur Arbeit.“ Der Handwerker kann schlecht mit dem Fahrrad seine Werkzeuge zum Kunden transportieren. Die Pflegekraft kann nicht darauf hoffen, dass zwischen zwei Dörfern plötzlich eine S-Bahn gebaut wurde. Und wer auf dem Land lebt, weiß ohnehin: Ohne Auto ist man nicht unbedingt umweltbewusst – manchmal ist man einfach nur unbeweglich. Aber solche Kleinigkeiten stören natürlich das schöne Bild von der perfekten Mobilitätswende.
„Dann kauf dir halt ein E-Auto.“
Ja, natürlich. Warum bin ich da nicht selbst drauf gekommen? Einfach ein paar zehntausend Euro aus dem Ärmel schütteln, ein neues Elektroauto kaufen, zu Hause eine Wallbox installieren und schon ist die Welt gerettet. Nur eine Frage bleibt: Wer bezahlt das eigentlich?
Derjenige, der jeden Monat rechnen muss, ob am Ende noch genug Geld für die nächste Stromrechnung übrig bleibt? Vielleicht sollten Politiker einmal verstehen, dass ein durchschnittlicher Arbeitnehmer nicht über das gleiche Budget verfügt wie Menschen, die politische Entscheidungen treffen. Der Bürger soll verzichten. Immer. Und genau hier wird es langsam absurd. Man verlangt vom Bürger immer mehr: Weniger fahren. Weniger verbrauchen. Energie sparen. CO₂ reduzieren. Neue Technologien kaufen. Mehr bezahlen. Und gleichzeitig soll er das Ganze bitte auch noch begeistert begrüßen.
„Es ist für die Zukunft!“
Mag sein. Aber auch die Gegenwart hat Rechnungen. Und die kommen jeden Monat.
Klimaschutz oder Klassenfrage?
Das ist vielleicht die unangenehmste Frage überhaupt: Wird Klimaschutz irgendwann zu einer sozialen Klassenfrage? Für Menschen mit viel Geld ist Nachhaltigkeit relativ einfach. Neues Elektroauto? Kein großes Problem. Photovoltaik? Kann man installieren. Wärmepumpe? Kann man finanzieren. Ladesäule? Baut man sich hin. Aber was ist mit der Familie, die ihr altes Auto fährt, weil sie sich kein neues leisten kann? Was ist mit dem Arbeitnehmer, der jeden Tag 50 Kilometer zur Arbeit fahren muss? Was ist mit dem Rentner, der auf sein Auto angewiesen ist? Was ist mit den Menschen, die einfach nicht die finanziellen Möglichkeiten haben, jede politische Veränderung sofort mitzumachen? Sind die dann automatisch die „Unvernünftigen“?
Vielleicht sollten wir einmal die Richtung ändern
Vielleicht sollte Politik nicht ständig überlegen: „Wie können wir Autofahren noch teurer machen?“ Sondern: „Wie sorgen wir dafür, dass Menschen sich Mobilität überhaupt noch leisten können?“ Denn ein Staat, der von seinen Bürgern verlangt, mobil zu sein, arbeiten zu gehen und wirtschaftlich zu funktionieren, sollte ihnen nicht gleichzeitig das Gefühl geben, dass sie sich dafür entschuldigen müssen. Das Auto ist für viele kein Statussymbol. Es ist kein Luxus. Es ist ein Werkzeug. Um zur Arbeit zu kommen. Um die Familie zu versorgen. Um am Leben teilzunehmen. Und wenn der Liter Sprit irgendwann so teuer wird, dass sich ein normaler Arbeitnehmer zweimal überlegen muss, ob er am Wochenende seine Familie besucht, dann läuft etwas gewaltig schief. Vielleicht sollten wir deshalb weniger darüber diskutieren, wie wir den Bürger zum Verzicht erziehen. Und mehr darüber, warum der Bürger mittlerweile auf immer mehr verzichten muss. Denn eines ist sicher:
Die Zapfsäule kennt keine Ideologie. Sie kennt nur deinen Kontostand.
Und der wird bei vielen Menschen langsam, aber sicher dünn.
Jetzt bin ich gespannt:
Ist das alles notwendiger Klimaschutz? Oder wird dem normalen Bürger gerade Stück für Stück das Leben teurer gemacht – und man verkauft ihm den Verzicht anschließend als Fortschritt?
Diskussion eröffnet.



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